Sonntag, 15. Februar 2015

Stille Wasser - Winter auf Sylt



So rau und wild der Winter am Weststrand von Sylt ist, so still und sanft kommt er an manchen Tagen auf der Wattenseite der Insel daher.

Sanftes Licht das Wasser und Land in einen silbernen Schleier hüllt. Strände, menschenleer und jetzt fast unberührt. Stimmung und Wetter ändern sich mit einem Wimpernschlag. Schien eben noch die Sonne, kriecht gleich darauf der Nebel über das Land.



Glaubten Mensch und Hund eben noch, der Frühling würde schon einmal ganz vorsichtig über den Horizont schauen, sind sie sich gleich darauf sicher, dass das doch der Winter war, den sie da gesehen haben.


Im Winter auf Sylt erholen sich nicht nur Mensch und Hund ganz prächtig, auch die Insel selber verschnauft und regeneriert sich vom Trubel der Weihnachtstage und von der Silvester-Invasion. Von Anfang Januar bis zum 21. Februar - an diesem Tag wird Biike gefeiert, und das mit vielen Gästen - fällt Sylt in den verdienten Winterschlaf. Kaum ein Restaurant hat geöffnet, viele Läden sind geschlossen oder öffnen nur von Donnerstag bis Samstag und an diesen Tagen auch nur am Nachmittag. Kurz und knapp, es ist absolut nichts los.

Es ist herrlich! Da man gar nichts anderes machen kann, als entweder gemütlich auf dem Sofa sitzen und lesen oder spazieren gehen, entdecken selbst alte Sylt-Hasen wie ich, Ecken, in denen sie noch nicht waren und spazieren auf Wegen, die sie in 40 Jahren noch nicht gegangen sind.

Und auch wenn es so schön ist, diese Wanderung zu machen, ohne auch nur einen einzigen Menschen zu treffen, will ich sie Euch doch kurz vorstellen, meine Sylt-Neuentdeckung, die Tour am stillen Wasser.

Die Tour beginnt in List, Deutschlands nördlichsten Ort, dem Ort in dem wir im Januar für 12 Tage ein wunderschönes Quartier bezogen hatten. Reetdachhaus, Blick über die Heide auf die Wanderdünen, absolute Ruhe, eigene Sauna im Haus, Weißwein im Kühlschrank und eine kleine feine Feldküche.



Eigentlich hätte man gar nicht rausgehen müssen, aber Hund Emma ist da sehr eindeutig, spätestens zwei Stunden nach dem Frühstück will sie raus und die Menschen müssen mit.

Also zurück zur Tour. Wer sie gehen möchte, fährt mit dem Bus der Linie 1 bis zur Haltestelle Dünenstraße, geht nach rechts, vorbei am Supermarkt immer die Straße entlang bis zur Promenade. Leider endet die Promenade genau hier. Es geht daher nicht auf die Promenade, sondern in Richtung Süden ein kleines Stück hinter den Häusern entlang. Nach ungefähr 200 Metern führt dann ein schmaler Weg wieder auf die Promenade. Auf dieser geht man weiter nach Süden bis zum Restaurant L.A. Sylt


Die Promenade endet hier nun endgültig und so heißt es ab auf den Strand, dem man folgt, bis man nasse Füße bekommt. Ist das Ende des Strandes erreicht, wird es ein ganz ein klein wenig abenteuerlich, denn nun muss man auf den Deich krabbeln und diesen auf einem inoffiziellen kleinen Trampelpfad folgen.



In der Ferne sieht man schon den nächsten kurzen Strand. Wir waren so frei und sind über den Strand und an dessen Ende rechts hoch über einen weiteren Trampelpfad zwischen Reetdachanwesen hindurch in Richtung Hauptstraße gegangen. Ich fürchte, das geht so nur in der absoluten Nebensaison, wenn die Häuser nicht bewohnt sind, da wir - wir bitten um Entschuldigung - zwei bis vielleicht vier Schritte über Privatgrund gehen mussten.


Wer sich absolut regelkonform verhalten will - und dazu müssen wir natürlich raten - geht entweder gleich am Ende des Deiches rechts auf einem Weg durch die Salzwiesen bis zur schmalen Teerstraße und auf dieser weiter in Richtung Süden oder er genießt den Strand und geht zurück zum Weg durch die Salzwiesen und zur Teerstraße.

Ich würde auf jeden Fall ein Stück über den Strand gehen und die Blicke über das Wattenmeer und die Dünenlandschaft genießen. Beide entschädigen für den kleinen Umweg.



Die schmale Teerstraße kreuzt nach ca 15 Minuten die Hauptstraße. Hier lohnt es sich, nicht nur auf den Verkehr zu achten, sondern auch einen Blick auf die Wanderdünen zu werfen. Wer noch ganz viel Puste hat, der kreuzt die Hauptstraße an der Ampel geht ein kleines Stück nach rechts über den Bohlenweg auf den Dünenkamm und wird mit einem fantastischen Blick über die wunderbare und einzigartige Dünenlandschaft belohnt.

Geht man die Tour im Sommer, sollte man dem Bohlenweg durch die Dünen bis an den Weststrand folgen und am Strand entlang bis nach Kampen gehen.

Diese Variante ist auch im Winter sehr schön. In der kalten Jahreszeit aber lohnt es sich, von der Düne wieder hinabzusteigen und der alten Inselbahntrasse durch die Dünen zu folgen. Die Trasse ist als Fahrradroute nach Kampen und Westerland ausgeschildert. Wer an der Ampel vorbei weiter Richtung Süden geht, kann den Weg nicht verpassen. Jetzt im Winter klingeln einen nur ganz selten Fahrradfahrer zur Seite. Im Sommer ist die Inselbahntrasse für Fußgänger die Vorhölle. Man könnte dann den Eindruck bekommen, zu Fuß gehen sei unter Strafe gestellt worden.


Eine gute Stunde lang geht man durch die Dünenlandschaft in Richtung Kampen. Wem es auf der Trasse zu langweilig wird, der kann an mehreren Stellen Wegen ans Meer folgen und hart am Wind den Weg nach Kampen fortsetzen.

Genau dann, wenn einem der Gedanke beschleicht, dass es doch auch ganz nett wäre, mal wieder was anderes als mit Heide und Dünengras bewachsene Sandgnubbel anzuschauen, schaut rechts ein kleiner Leuchtturm aus den Dünen hervor. Nichts wie hin.



Der Leuchtturm ist gar kein Leuchtturm, sondern ein Quermarkenfeuer. Hier, nördlich der Sturmhaube, steht das Quermarkenfeuer "Rotes Kliff" das von 1913 bis 1975 in Betrieb war.

Quermarkenfeuer arbeiten grundsätzlich mit anderen Seezeichen zusammen und unser pussierlicher Freund war der kleiner Helfer vom "großen" Leuchtturm der zwischen Kampen und Braderup in der Braderuperheide steht.  Querkmarkenfeuer geben an, ab welcher Position ein Kurswechsel stattfinden muss bzw. ab wann das Schiff von einer Richtfeuerlinie (die sendet der "große" Leuchtturm) auf eine andere übergehen sollte, um im sicheren Fahrwasser zu bleiben. Da die Unterhaltung von Quermarkenfeuern keineswegs billig ist, werden diese kleinen Helfer heute meist in Rente geschickt. Die von den "großen" Leuttürmen gesendeten Richtfeuer erklären die Kursänderung meist selbst.

1975 wurde daher auch das Quermarkenfeuer "Rotes Kliff" außer Betrieb genommen. Die Gemeinde Kampen kaufte den kleinen Leuchtturm, um ihn als Wahrzeichen zu erhalten. 2013 wurde er vollständig saniert.

Wer bis hier der Inselbahntrasse gefolgt ist, sollte sich noch ein kurzes Wegstück am Weststrand gönnen. Am Querkmarkenfeuer führt ein Bohlenweg durch die Dünen an den Strand. Aufgrund der starken Stürme im Januar 2015 war der Weg fast vollständig versandet und



 am Hauptstrand von Kampen stand die Holzpromenade nur noch auf sehr wackeligen Füßen.



In Kampen endet die Tour. Vom Strand aus geht man an der Sturmhaube vorbei in den Ort und lässt sich mit dem Bus zur Feldküche fahren. Seeluft macht hungrig und die Feldköche haben für die eifrigen Wanderer bestimmt schon etwas vorbereitet.

Aus unserer Feldküche gab es eine




Was man braucht

250 gr. Weizenmehl
125 gr. kalte Butter
Salz
1 Ei
1 Tasse Eiswasser

300 gr. durchwachsenen Speck
4 große Zwiebeln
2 Eier
1 Becher Schmand
Muskatnuss
Kümmel
Salz
Pfeffer

Wie man es macht

Butter in kleine Stückchen schneiden. Mehl in eine Schüssel sieben, Butterstückchen hinzugeben und schnell miteinander zu einem krümeligen Teig verarbeiten. Eine Prise Salz und das Ei hinzugeben und vorsichtig etwas von dem Eiswasser dazugeben - mit wenig anfangen und ggf. noch etwas mehr Wasser nachgießen. Schnell mit den Händen zu einem festen, glatten Teig verkneten. Teig zur Kugel formen, in Folie wickeln und für mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank legen.




Zwiebeln in kleine Würfel schneiden. Speck in eine Pfanne geben und auf mittlerer Hitze anbraten, sodass das Fett austritt, der Speck aber noch nicht bräunt. Zwiebeln hinzugeben und die Hitze erhöhen. Zwiebeln und Speck braten, bis sie leicht gebräunt sind.

Schmand mit den Eier verrühren. Frisch geriebene Muskatnuss, Salz, Pfeffer und den Kümmel zur Schmand-Eier-Mischung geben. 

Ofen auf 180°C vorheizen.

Teig dünn ausrollen. Eine Tarteform fetten und den Teig in eine Tarteform geben und mit einer Gabel mehrfach einstechen. Backpapier auf den Teig legen und den Teig erneut für 15 Minuten in den Kühlschrank geben. Nach den 15 Minuten Teig aus dem Kühlschrank nehmen und getrocknete Erbsen auf das Backpapier legen und die Tarteform für 15 Minuten in den Ofen geben.

Aus den Ofen nehmen, das Backpapier und die Erbsen entfernen.

Zwiebeln und Speck auf dem Boden verteilen. Die Schmand-Eier-Mischung darüber geben.

Wer mag, kann noch etwas Käse, z.B. Gruyer über die Tarte reiben.

Tarte im Ofen ca. 30 -35 Minuten backen. 





Der Boden ist ein klassischer Tarteboden. Der Belag krönt sonst meinen Zwiebelkuchen vom Bleich mit Hefeboden. Die Kombination entstand, da ich vergessen hatte, Hefe zu kaufen.
Das Ergebnis war mmmhhhh ..... .

Bis ganz bald.


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