Dienstag, 10. November 2015

La Serenissima - Hund Emma in Venedig - 1. Teil

Ihr wollt mit dem Hund nach Venedig? Da gibt es doch gar keine Parks, es ist voll, teuer und stinkt!

Wer von euch daran denkt, mit seinem Vierbeiner in die Lagunenstadt zu fahren, der wird mit ziemlicher Sicherheit diese oder ähnliche Sätze hören.

Aber was soll ich sagen? Ganz einfach, stimmt alles nicht!

Es gibt in Venedig sehr wohl Parks. Venedig ist ab Mitte September gut besucht, aber nicht voller als Hamburg. Wer sich nicht direkt in eine Bar auf dem Markusplatz setzt, bekommt eine Aperol-Spritz für € 2,50.  Es stinkt nicht, es sei denn, man vergisst über mehrere Tage die Packung mit dem Gorgonzola im Rucksack. Es gibt keine Autos, stattdessen schmale Gassen, breite Promenaden, viele Hunde-Kumpels und viele sehr hundefreundliche, wenn nicht sogar hundeverrückte Italiener. Hund darf Boot und Gondel fahren und kann den ganzen lieben langen Tag wie ein echter italienischer Botolo ohne Leine durch die Gegend flitzen. Hund wird in fast jedem Laden und in fast jeder Bar durchgeknuddelt, darf in fast alle Restaurants, in jeden Park und ab Ende September auch an den Strand auf dem Lido. Nur in die Kirchen und in die Museen darf Hund auch in Venedig nicht. Der kunstaffine Hund kommt dennoch nicht zu kurz, denn Hund darf mit auf das Gelände der Biennale di Venezia. Hund Emma hatte daher keine Begegnung der dritten, sondern vielmehr eine Begegnung mit der Art als solcher. Dazu mehr im nächsten Post.




Zunächst dies:

Hund Emma und die Menschen haben in Venedig eine Woche lang einfach alles genossen.

Wir haben die Anreise und Tag 1 in Venedig genossen.

Nach dem Zwischenstopp in Innsbruck und im Outlet-Center am Brenner ging es vorbei an Bozen und Verona  nach Venedig. War schon die Fahrt durch die Täler der Alpen schön, kam kurz vor dem Ziel zunächst der hässlichste Teil der Anreise - Mestre mit seinem Bahnhofs- und Hafenviertel, gruuuuuuuuuuselig - kurz darauf  dann aber der schönste Abschnitt der Fahrt. Über die 4 km lange Brücke mit dem Namen Ponte della Liberta erreichten wir Venedig. Rechts blaues funkelndes Wasser, links blaues funkelndes Wasser und am Horizont die Türme der Stadt. Schöner kann man sich einer Stadt kaum nähern. Da wir schon geahnt hatten, dass vom Umfang des Gepäcks her der Rückschluss auf eine Auswanderung der Menschen und des Hundes durchaus wieder würde gezogen werden können, und wir vermeiden wollten, mit 4 Koffern, einem wirklich nicht kleinen Hundekorb, einem Picknickkorb und weiteren Gepäckstücken durch Venedig zu irren, hatten wir eine Unterkunft auf dem Lido gebucht. Auf den Lido darf das Auto mit. Nach Venedig dagegen darf das Auto nicht hinein. Wo sollte es auch fahren? Gibt ja keine Straßen.


Am Ende der Brücke ging es für uns daher nach rechts, vorbei an den großen Parkhäusern zum Fähranleger Tronchetto. Der verdammt kompetente Angestellte der Fährgesellschaft befragte uns in sehr gutem Englisch zu den Themen: Wie lange bleibt ihr in Venedig? Wollt Ihr mit dem Auto a) nur zum Lido oder b) vom Lido auf eine der anderen Inseln der Lagune? Wenn Ihr mit dem Auto nur zum Lido wollt, wollt ihr während eures Aufenthalts in Venedig die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen? Alle Fragen wurden von uns wahrheitsgemäß beantwortet und schwubs, hatten wir die Fahrkarten für Auto, Hund und Mensch zum Lido und zurück sowie zwei Wochenkarten für den öffentlichen Nahverkehr. Da die vier Fahrkarten alle gleich aussahen, beschriftete sie der Angestellte für uns, kassierte den Fahrpreis, wünschte eine schönen Aufenthalt und verblüffte uns damit völlig. Ist das Italien hier? Schnelle, kompetente und freundliche Bedienung, das hatten wir nicht erwartet. Toll! Nun muss man gestehen, dass der Preis für die Wochenkarten und die Fährüberfahrt die Freundlichkeit auch durchaus rechtfertigte. Die Wochenkarten kosteten pro Person € 60,-, die Fährpassage für das Auto pro Route € 21,-. Da Venedig ohne Vaporetto-Fahrten aber nicht einmal halb so schön ist, eine Einzelfahrkarte € 7,50 kostet und man vom Lido ohne Boot nicht auf die Hauptinseln kommt, war die Wochenkarte eine gute Investition.

Hund fährt auf allen Booten des ACTV übrigens umsonst und ohne Probleme mit. Gaaaaaanz offiziell muss Hund auf den Booten Maulkorb tragen. Darauf geachtet hat aber nicht wirklich jemand. Ein einziges Mal hat einer der Herren die Boote festmachen uns darauf hingewiesen, dass Hund Emma einen Maulkorb tragen muss. Er gab sich dann aber damit zufrieden, dass wir den Maulkorb in der Tasche hatten. Wenn ihr mit Hund Vaporetto fahren wollt, geht einfach in den hinteren Bereich des Bootes und setzt Wuff dicht neben euch auf den Boden oder - wenn Größe des Hundes und Fahrgastzahlen es zulassen - unter einen der Sitze. Keiner wird euch dann nach dem Maulkorb fragen, aber mindestens zwei nette Damen oder Herren werden Hund durchkuscheln und ihm/ihr Komplimente machen. Hund Emma erwartet nach der Venedigreise, dass auch Hamburger Busfahrer sie stets mit "Che bella" begrüßen. Passiert aber irgendwie nicht.



Wir hatten Glück und konnten gleich auf die Fähre fahren. Die Fähre (Nr. 17) pendelt den ganzen Tag im Stundentakt zum Lido und zurück. Man kann reservieren, muss es in der Nebensaison aber nicht. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde und ist toll, ganz toll! Spätestens, wenn man durch den Canale della Giudecca vorbei am Markusplatz zum Lido fährt, verfällt man dieser Stadt und ihrem einzigartigen Charme. Sie ist so schön und erhaben, so prächtig und so verfallen gleichzeitig.




Wir haben die Ferienwohnung genossen.

Hund Emmas Körbchen stand in der Wohnung von Anna, ihrem Mann Stephano und Hundedame Briccolina auf dem Lido. Sehr zu empfehlen. Schöne Wohnung, tolle Lage fast direkt am Strand und nur 10 Minuten vom Schiffsanleger auf dem Lido entfernt.  Anna ist die wohl aller, aller netteste und gastfreundlichste Vermieterin die wir je hatten. Anna und Familie erwarteten uns am Fähranleger, fröhlich winkend, als würden wir uns seit Jahren kennen. Im Autokorso ging es zu Annas Haus. Es folgten ein Rundgang durch die Wohnung und dann konnten wir nun noch staunen: Anna hatte den Kühlschrank für uns gefüllt. Prosecco, Milch, Wasser, Butter und Orangensaft alles da. Sie hatte für uns Brot, Kaffee, Tee, Nutella, Marmelade, Nudeln, Tomatensauße und Obst gekauft und - ihr glaubt es nicht -  Anna hatte für uns einen Willkommens-Kuchen gebacken.


Ich war gerührt. Hund Emma war begeistert. Eine Küche mit einem Teppich. Sofort wurde der für sie strategisch wichtigste Platz eingenommen, den Kühlschrank und den Herd fest im Blick.



Was sollte da noch schiefgehen, Hund Emma war bereit für La Serenissima.

Was wir noch alles in Venedig genossen haben und was es Neues aus der Feld-Küche gibt, erfahrt ihr im nächsten Post.


 



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