Sonntag, 6. Dezember 2015

Che bella - Hund Emma in Venedig - 2. Teil

Da ist er, der neue Siphon, der ab heute das Sodawasser für den Aperol-Spritz liefern wird. Der Nikolaus hat ihn in den Stiefel gesteckt und mich daran erinnert, dass ich euch noch den zweiten Teil des Reiseberichts aus Venedig schulde.



Der zweiten Teil des Berichts über eine Woche mit Hund Emma in Venedig.

Eine Woche in der wir ganz bewusst darauf verzichtet haben, die bekannten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Markusplatz, Seufzerbrücke, Rialtobrücke usw., alles sehr nett anzuschauen, aber dies sind die Plätze, die Venedig zu Recht den Ruf bescheren, eine überfüllte, teure und auf Touristenabzocke spezialierte Stadt zu sein. Schlecht gekleidete Menschenmassen, die häßliche in China hergestellte Masken kaufen, € 10,00 für einen Kaffee bezahlen, Pizza in sich hineinstopfen und sich von den Tauben auf den Kopf machen lassen, um dann wieder zu verschwinden.

Versteht mich nicht falsch, wenn ihr noch nicht in Venedig wart, dann solltet ihr euch natürlich auch die Sehenswürdigkeiten wie den Markusplatz anschauen, aber am besten dann, wenn es die Anderen nicht machen. Frühmorgens oder am Abend wenn die Touristenmassen wieder weg und auf dem Markusplatz mehr Tauben als Menschen sind, ist dieser Platz grandios.

Anmerkung von Hund Emma: Dann kann man auch viel besser den Tauben nachjagen!



Ein Morgen auf dem Fischmarkt im Viertel Rialto, mit Besuch der gleichnamigen Brücke, unbedingt zu empfehlen. Aber meidet bitte die Touristen-Rush-Hour, es ist furchtbar!



Steigt besser am Lido oder am Bahnhof aufs Boot (Vaporetto Nr. 1), sichert euch einen Platz vorn auf dem Schiff und lasst euch vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten und Palästen gemütlich durch den Canal Grande schippern. Mit einer der Wochen- oder Tageskarten ist dies die beste und günstigste Möglichkeit, einen ersten und guten Eindruck davon zu gewinnen, was Venedig so einzigartig macht, das Wasser und der Umstand, dass man die Schönheit der Stadt in aller Ruhe vom Boot aus bewundern kann.


Merkt euch, an welchen Stationen ihr gern ausgestiegen wärt, bleibt an der Endstation sitzen, fahrt wieder zurück, steigt nach Lust und Laune aus und bummelt durch die Gassen. Wenn es euch zu voll wird, biegt einfach in eine der Seitenstraßen. Nur zwei Gassen neben den Haupttouristen-Routen ist Venedig vergleichsweise ruhig und einsam. Ihr werdet so viel mehr von Venedig sehen, als wenn ihr eine Sehenswürdigkeit nach der nächsten ansteuert. An den Hauptsehenswürdigkeiten werdet ihr trotzdem vorbei kommen. So groß ist Venedig nicht.

Neben einer Fahrt mit dem Vaporetto Nr 1 ist auch eine Minikreuzfahrt mit der Linie 4.1 vom Bahnhof durch den Canale della Giudecca, vorbei an der Friedhofsinsel San Michele auf die Insel der Glasbläser, Murano, unbedingt zu empfehlen.
 


Eine gute Stunde Mini-Cruise, großartige Blicke auf die Stadt, die Lagune und ihre Inseln inklusive.
  
Da ich schon mehrfach in Venedig war und die Sehenswürdigkeiten bereits durchlitten hatte, haben wir es ganz ähnlich gemacht.

Wir sind an Tag 2 mit dem Boot auf die Insel San Giorgio Maggiore gefahren. San Giorgio Maggiore ist eine der kleineren Haupt-Inseln Venedigs und liegt gegenüber vom Markusplatz. So klein wie sie ist, so wichtig ist sie für das Stadtbild. Vom Markusplatz aus gesehen liegt die Insel, die im wesentlichen aus der gleichnamigen Kirche und dem einem Benediktinerkloster besteht, links neben der langezogenen Insel La Giudecca. Die an einen griechischen Tempel erinnernde Kirche und der Campanile San Giorgio Maggiore bilden eine tolle Sichtachse vom Markusplatz über die Piazzetta und den Bacino di San Marco. Gäbe es die Insel mit Kirche und Campanile nicht, würde man bis zum Lido und auf das Meer schauen können. Wäre auch ganz schön, aber mit San Giorgio Maggiore ist es noch schöner. 


Die Kirche wurde nach den Plänen des Baumeisters Andrea Palladio errichtet und 1610 fertiggestellt. Das Innere der Kirche hat mich überrascht. Die Kirche ist im Vergleich zu anderen Kirchen in Venedig recht schlicht ausgestattet und sehr hell. Die Kirche San Giorgio Maggiore präsentierte im September 2015 eine der vielen Nebenausstellungen der Kunst-Biennale. Der spanische Künstler Jaume Plensa zeigte im Mittelschiff der Basilika einen großen, aus Metallgitter gefertigten Kopf, dem vom Altar aus eine segnende, aus Buchstaben gefertigte Hand entgegenschwebt. Das Werk heißt Together und ist sehr beeindruckend.



Geht man links an der Kirche vorbei und folgt der Uferpromenade, erreicht man nach einigen Metern eine hübsche Bar mit tollem Ausblick auf den Markusplatz. Gleich daneben kann man nach rechts zum Glass Tea House des japanischen Künstlers Hiroshi Sugimoto abbiegen. Das Glass Tea House ist einem Überbleibsel der Architektur Biennale 2014.


Am Ende der Uferpromenade liegt ein Yachthafen und das war es dann auch schon. Leider sind viele Bereiche der Insel nicht zugänglich, da sie Teil des Klosters sind. San Gorgio Maggiore zählte bei der letzten Volkszählung übrigens 11 ständige Bewohner, alles Männer, Kloster halt!
 

Und wenn man schon auf dieser Seite des Bacino di San Marco ist, sollte man mit dem Vaporetto zur nächsten Haltestelle fahren. Nach einer Minute ist man auf der Insel La Giudecca und damit auf einer Insel, die fast ausschließlich den Venezianern gehört. Mit Ausnahme von zwei Grand Hotels trifft man hier auf ganz normale Wohnhäuser, Werften und Geschäfte, spaziert entlang des Fondamente de la Crosa und genießt einmal mehr den unglaublich schönen Blick über den Canale della Giudecca.


La Giudecca ist Venedig in "Normal" ohne Schnickschnack und mit kleinen Einblicken in den Alltag und die Probleme der Stadt.


Und dann, an den anderen Tagen, was haben wir da gemacht?

Wir waren auf der Biennale di Venezia. Die Biennale Arte di Venezia findet alle zwei Jahre in den Giardini Pubblici im Stadtteil Castello statt. 28 Länder stellen in ihren nationalen Pavillons auf dem Gelände der Giardini aus. Mehrere Dutzend anderer Staaten, die auf diesem Areal keinen eigenen Pavillon haben, stellen während der Biennale über das gesamte Stadtgebiet verstreut in Palästen und auf öffentlichen Plätzen aus. Hund Emma durfte mit auf das Gelände der Biennale und hat es genossen, zwischen den Pavillons auf der Wiese zu liegen, in die Sonne zu blinzeln und auf die Frauchen zu warten.


In den Pavillon der USA durfte sie sogar mit hinein, was fast für einen kleinen Skandal gesorgt hätte. Der Künstler Joan Jonas hatte unter anderem einige Stöcke auf dem Boden arrangiert. Sehr zur Freude von Hund Emma, die mit dem Schwanz wedelnd gleich einmal einige der Kunstobjekte zum Spielen mit ins Freie nehmen wollte. Wir konnten das Drama zum Glück verhindern.

Begeistert hat mich der Nordische Pavillon. Der Pavillon der nordischen Länder wurde in diesem Jahr von der in Oslo lebenden Klangkünstlerin Camille Norment bespielt: Rapture. Von außen sah das aus wie nach einem furchtbaren Unwetter oder nach schlimmen Folgen von Vandalismus: Die Glasfront des Pavillons war aufgebrochen, großflächig Scherben überall, die Rahmen waren aus den Verankerungen gerissen. Im Innern hörte man eine Klanginstallation, Musik für Glasharmonika und Chor im Tritonus. Resonatoren brachten die Scherben zum Singen. Großartig!


Ganz anders, aber ebenfalls sehr beeindruckend, war der japanische Pavillon mit der Großinstallation The Key in the Hand von Chiharu Shiota, die seit 1996 in Berlin lebt. Ein dichtes Geflecht von rotem Garn zog sich durch den Pavillon, daran hingen unzählige Schlüssel (die Künstlerin hatte vor einiger Zeit im Netz dazu aufgerufen, ihr Schlüssel zuzusenden). Zwei Holzboote symbolisierten Hände die den Regen der Erinnerungen auffangen, für die die Schlüssel standen.


Man braucht mindestens einen ganzen Tag für die Biennale, besser zwei. Wir nahmen uns nur einen guten halben Tag, da wir noch sooo viel sehen wollten.

Wir bummelten durch die Stadtteile Canareggio, Castello, Dorsudoro, San Paolo, San Marco und Rialto. Immer ohne bestimmtes Ziel, immer wieder begeistert von der Schönheit der Stadt und überrascht von den vielen schönen Läden, Bars und Restaurants. Ich kann das nur empfehlen, lasst euch treiben und haltet die Augen offen, einen besseren Stadtführer als eure Neugier gibt es nicht.


Wenn ihr dann nach einem langen Tag und mit großem Hunger nach Hause geht, dann schaut vorher noch in der Feldküche vorbei und nehmt euch ein paar Cicchètti mit. Cicchètti sind leckere, hausgemachten Kleinigkeiten, die an spanische Tapas erinnern und die ihr in den vielen Weinbars der Stadt findet. Kleine Brotscheiben belegt mit Gemüse oder Salat, darauf gehäuft sind fein aromatisierte Käse- oder Quarkcremes in unterschiedlicher Konsistenz. Es gibt Fischmousse in allen Variationen, dazu Oliven, Kapern, Tomaten, frittierte und eingelegte Gemüsehäppchen, Fleischfrikadellen oder geröstete Brotscheiben mit Salami oder Schinken.

Aus der Feldküche kommen heute


Geröstetes Brot 
mit
 Kürbis und Speck

und

Geröstetes Brot
mit
Trauben, Ziegenkäse und Walnuß



Was man braucht

1 gutes Baguette, am besten ein selbstgemachtes

Für die Cicchètti mit Kürbis und Speck

1 kleinen Kürbis
4 Salbeiblätter
6 - 8 Scheiben Tiroler Speck
100 gr. Parmesan
Olivenöl
Salz
Pfeffer

Für die Cicchètti mit Trauben und Ziegenkäse

10 Trauben, hell
Thymian, frisch
10 Walnußhälften
2 kleine Ziegenfrischkäse
1 Koblauchzehe
 Olivenöl
Salz
Pfeffer

Wie man es macht

Brot in Scheiben schneiden. Mit Olivenöl bestreichen. Auf ein Backblech legen und bei 180°C auf der mittleren Schiene im Backofen knusprig braun backen. Die Menge der Beläge reicht pro Sorte für ca. 8 Scheiben Baguette.


Cicchètti mit Trauben und Ziegenkäse

Trauben waschen, längs teilen und entkernen. Mit der Schnittfläche nach unten in eine Auflaufform legen, mit Olivenöl beträufeln, Thymianblättchen darüber streuen und salzen. Im vorgeheitzten Ofen bei 180°C auf der mittleren Schiene backen bis die Haut der Trauben hellbraun ist.

Walnußhälften in Olivenöl wälzen. In eine Auflaufform geben und im vorgeheitzten Ofen bei 180°C auf der mittleren Schiene rösten bis die Nüsse leicht gebräunt sind.

Ziegenkäse mit etwas Salz, Pfeffer und der zerdrückten Koblauchzehe vermengen.

Ziegenkäsemasse auf das Brot streichen. Trauben und Walnüsse darauf verteilen.


Cicchètti mit Kürbis und Speck

Kürbis schälen - wenn ihr einen Hokaidokürbis nehmt, kann die Schale dranbleiben - entkernen und in Würfel schneiden. Die Kürbiswürfel in Olivenöl wenden, Salbeiblätter in feine Streifen schneiden zum Kürbis geben, salzen und pfeffern und im vorgeheizten Ofen auf 180°c backen bis die Kürbiswürfel weich und leicht gebräunt sind.

Den Speck in Streifen reißen. Kürbiswürfel auf den Brotscheiben verteilen, Speck dazu geben und großzügig Parmesan darüberreiben.


Die Brote waren so lecker, dass der Besuch sie verputzt hatte, bevor ich ein Foto von ihnen machen konnte.

Bis ganz bald!